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300 Besucherinnen und Besucher informierten sich an der HSR über die Digitalisierung

10.09.18 - Zwei Fachtagungen an der HSR widmeten sich digitalen Industrie- und Zukunftsthemen. Während an der 3. Digitalisierungskonferenz aktuelle Anwendungs-Beispiele aus Wirtschaft und Industrie dominierten, konzentrierte sich die 40. Innovationstagung auf nahe Zukunftsthemen wie die digitalisierte Landwirtschaft oder Umwälzungen im Bankensektor. Ein Fazit teilen beide Veranstaltungen: Veränderungen passieren heute weitreichend, branchenübergreifend, schnell. Und: Es lohnt sich, Trends frühzeitig auf den Nutzen für das eigene Unternehmen hin zu untersuchen.

Das Buzzword Digitalisierung wirkt nach jahrelangem Hype abgenutzt, die Auswirkungen hinter dem Wort werden jedoch immer sichtbarer. „Heute betreffen die Auswirkungen der Digitalisierung die Märkte und damit direkt Wirtschaft und Industrie sowie damit verbundene Arbeitsplätze. Die Digitalisierung betrifft heute die ganze Gesellschaft“, eröffnete Forschungs-Prorektor Alex Simeon (HSR) die 40. Innovationstagung an der HSR. Praktische Beispiele dafür lieferten am 4. (Digitalisierungskonferenz) und 5. September (Innovationstagung) rund 20 Referentinnen und Referenten aus Wirtschaft und Industrie vor insgesamt rund 300 Besucherinnen und Besuchern aus Wissenschaft, Industrie, Wirtschaft und Politik.


Neue Geschäftsfelder dank Digitalisierung
Vor zwei Jahren dominierten noch Impulsreferate und theoretische Anwendungen der Digitalisierung die Fachtagungen an der HSR. 2018 überwiegen bereits deutlich die umgesetzten Beispiele aus der Praxis und die Erkenntnis, dass sich heute teildigitalisierte Geschäftsbereiche von Unternehmen mit zunehmender Geschwindigkeit organisch weiterdigitalisieren. Iterativ. Agil. Je nachdem, wo sich Chancen bieten, werden sie genutzt.

An der Digitalisierungskonferenz der HSR gaben regionale Unternehmen und internationale Grosskonzerne Einblicke in ihre Digitalisierungsprojekte. So sind laut Thomas Werren von der Schindler Aufzüge AG derzeit zwar erst 15 Prozent aller Aufzüge und Rolltreppen via IoT-Prinzip (Internet of Things) vernetzt. Doch das Unternehmen arbeitet bereits daran, sich als Dienstleister sehr viel tiefer in die «Ökosysteme» rund um die verbauten Aufzüge und Rolltreppen zu integrieren und so neue Geschäftsfelder zu erschliessen. «Wir haben uns bisher vor allem um die Käufer und Betreiber unserer Produkte gekümmert und nicht um die Menschen, die unsere Produkte jeden Tag milliardenfach benutzen», so Werren. Intelligente Infoscreens mit Informationen zur Umgebung an Aufzugtüren? Am Zürcher HB bereits umgesetzt. Gratis-Rolltreppen für Einkaufszentren, dafür Einnahmen via Bildschirm-Werbung? Ein mögliches Zukunftsszenario. Doch auch in den Wohnquartieren sieht Werren Potenzial: «Wenn Sie rasch ein Loch im Keller bohren müssen, könnten Sie in Zukunft vielleicht auch einfach im Aufzug via Community-Hub ihre Nachbarn digital nach einer Bohrmaschine fragen.»

Weitere Anwendungsbeispiele für gelebte Digitalisierung folgten am Laufmeter. So treten etwa bereits mehr als 50 Prozent aller Kaufinteressierten bei der Mettler-Toledo AG auf den digitalen Kanälen mit dem Verkauf in Kontakt. Aus der Schweiz werden Marketingkampagnen zentralisiert gesteuert und global ausgerollt. Aussendienst-Mitarbeitende werden ebenfalls digital betreut und aus der Zentrale zu Kunden mit konkreten Kaufabsichten entsandt. Servicetechniker machen sich praktisch in dem Moment auf den Weg, in dem ein vernetztes Produkt ein technisches Problem meldet.

Sichere Nahrungsmittel durch kombinierte Daten
Der Pumpenhersteller Grundfos nutzt vernetzte Systeme, um den Energie- und Wasserverbrauch zu reduzieren und Servicetechniker mit Holo-Brillen bei der Diagnose und Reparatur von Anlagen zu unterstützen. Die Geberit AG leistet sich gar eine eigene Abteilung, die laut Engineering-Projektleiter Philip Roh mit «Start-up-Charakter» laufend digitale Trends analysiert und in Prototyp-Projekten auf ihre Verwendbarkeit hin überprüft – oft auch zusammen mit HSR-Studierenden in Projektarbeiten. Flugdrohnen in der Produktion? Funktioniert, ist aber zu teuer und zu kompliziert. QR-Codes für die eindeutige Identifikation von Produkten? Funktioniert, sogar besser als RFID-Chips und NFC. Dabei entscheidet laut Roh der «Geberit-Rentabilitäts-Filter», ob ein Prototyp-Projekt eine Chance hat: Was sich finanziell nicht lohnt, wird nicht umgesetzt. Mit den schnellen Prototypen finde Geberit jedoch schnell heraus, welche digitalen Trends die Produktivität des Unternehmens steigern können und welche nicht. Das lohne sich unter dem Strich.

In einer Kooperation wollen Microsoft und die Bühler Group Nahrungsmittel mit digitalen Möglichkeiten sicherer und deren Produktion effizienter machen. Zusammen wollen sie den weltweiten Food Waste und Energieverbrauch in der Nahrungsmittelproduktion um fast einen Drittel reduzieren. Wie, erklärten Robert Cuny (Bühler) und Ethem Azun (Microsoft) am Beispiel einer Maschine für die Getreideverarbeitung. Aktuell sei ein Teil der Maisproduktion wegen giftigen Stoffen durch Schimmelpilze nicht für den Verzehr geeignet. Durch die Kombination von Daten in Cloud-Rechenzentren über Herkunft und Wetterdaten von Saat bis Ernte sowie Sensordaten aus der Maschine selbst sollen Kontaminationsrisiken vor und während der Verarbeitung ermittelt sowie erkannt werden und dadurch die Kontamination von Mais durch diese Giftstoffe um 90 Prozent reduziert werden.

Weitere Vorträge widmeten sich der Zukunft der Digitalisierung. «Ein grosser Teil der heute 12-Jährigen wird Jobs haben, die wir heute noch gar nicht kennen», sagte Simon Erdmann, Leiter Digital Business bei Cognizant. Die Deon Digital AG zeigte den Weg vom Handschlag zum digitalen Vertrag via Blockchain-Technologie. SAP und die Endress+Hauser AG gaben einen Einblick in die Zukunft der Wartung von Produktionsanlagen, und Panalpina warf einen Blick in die Zukunft der digitalisierten Lieferketten. Zudem zeigten verschiedene Professorinnen und Professoren der Fachhochschule Ostschweiz aktuelle Digitalisierungs-Projekte aus der Forschung.

Roboter-Landwirte und personalisierte Werbung
An der Innovationstagung ging die Reise in die digitale Zukunft weiter. So zeigte etwa Peter Fröhlich von der Rapperswiler AgriCircle AG anhand von Beispielen aus den USA, Deutschland und der Schweiz, dass auch die Landwirtschaft zunehmend digitalisiert wird. Roboter säen, düngen und spritzen Pflanzenschutzmittel bereits heute, und die Maschinen können das immer effizienter. So gebe es etwa in Kalifornien bereits seit fünf Jahren Obstplantagen, deren Effizienz durch autonome Traktoren verfünffacht wurde. Neue Satellitentechnologien könnten aus der Erdumlaufbahn den Gesundheitszustand von Pflanzen und die Pestizidbelastung in Gewässern erkennen. «Wir gehen davon aus, dass die Digitalisierung die gleichen Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben wird, wie der Umstieg vom Pferd auf den Traktor», sagte Fröhlich.


Weitere Vorträge befassten sich mit neuen Finanzierungsmöglichkeiten in Blockchain-Projekten, personalisierter Werbung durch künstliche Intelligenz und den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Banken.

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