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IT-Bildungsoffensive des Kantons St. Gallen an der HSR vorgestellt

25.10.18 - Wie begegnet man der Digitalisierung? Der Kanton St. Gallen antwortet auf diese Frage mit dem 75 Millionen Franken schweren Massnahmenpaket «IT-Bildungsoffensive». Sie soll Lehrende und Lernende aller Schulstufen so qualifizieren, dass «Wirtschaft und Bevölkerung zu Gewinnern der Digitalisierung werden» – eine «Investition in Menschen statt in Infrastruktur». So fasste der St. Galler Regierungspräsident Stefan Kölliker gestern an einer Podiumsdiskussion an der HSR die Stossrichtung der IT-Bildungsoffensive zusammen. Im Februar 2019 stimmt die St. Galler Bevölkerung über die Vorlage ab.

Über das Für und Wider der Digitalisierung und den richtigen Weg, damit umzugehen, wird fast genauso viel diskutiert, wie über den IT-Fachkräftemangel in der Wirtschaft. Einig sind sich Wirtschaft und Politik jedoch darin, dass sich die Digitalisierung nicht aufhalten lässt. Der Kanton St. Gallen will der Digitalisierung deshalb mit dem bisher schweizweit einzigartigen Massnahmenpaket IT-Bildungsoffensive begegnen.

Gezielte Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung
An der zweiten von insgesamt sechs Informationsveranstaltungen dazu, diskutierte Regierungspräsident Stefan Kölliker am Mittwochabend an der HSR mit Bildungsexpertinnen und Wirtschaftsvertretern. Das Fazit: Die Offensive ist ein willkommener Startschuss, reicht alleine aber nicht aus.

Die Lehrerschaft aller Stufen – in Volks- und Mittelschulen, Fachhochschulen und Universitäten – soll im Rahmen des 75 Millionen Franken schweren Massnahmenpakets zum Multiplikator werden. Ziel ist eine auf die Digitalisierung angepasste Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung durch eine gezielte Ausbildung der Dozierenden und Lehrpersonen im Kanton. Damit, so die Hoffnung von Bildungsdirektor Kölliker, könne die Bevölkerung von einer spürbar höheren Qualifikation in der Digitalisierung profitieren.

Fachkräftemangel bekämpfen
Die Unternehmen im Kanton St. Gallen sind auf richtig ausgebildete Fachkräfte angewiesen und die berufstätige Bevölkerung auf ein darauf ausgerichtetes Angebot an Aus- und Weiterbildung. Hier besteht aktuell noch eine Lücke, wie Eva De Salvatore, Geschäftsführerin der St. Galler Standortinitiative «IT rockt» mit eindrücklichen Zahlen belegen konnte: «Unternehmen im Kanton suchen bei uns seit Monaten mehr als 100 IT-Fachleute.» Bleiben die Stellen unbesetzt, drohen Wettbewerbsnachteile der St. Galler Wirtschaft.

Ausbildung als Schlüssel
Im Rahmen der Podiumsdiskussion zeigte sich, dass die anwesenden Bildungsexpertinnen und –experten die IT-Bildungsoffensive auch als willkommenen Schritt zur zukunftsfähigen Ausbildung von IT-Fachkräften betrachten. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Roman Hänggi, der an der HSR das DigitalLab leitet – ein Kompetenzzentrum der HSR, das zusammen mit der Uni St. Gallen und dem IT-Dienstleister Cognizant Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützt.

Gefragt nach den Anforderungen der Digitalisierung für die Ausbildung an Fachhochschulen führte etwa Prof. Dr. Margit Mönnecke, Rektorin der HSR, aus: «Dozierende müssen vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Fachdisziplin mit der Digitalisierung umgehen können sowie digitale Medien und Plattformen in der Aus- und Weiterbildung didaktisch einsetzen können.» Die HSR habe sich in internen Initiativen bereits auf diese Ziele fokussiert und begrüsse die Initiative des Kantons, die Befähigung für die Digitalisierung in der Breite auf allen Schulstufen zu fördern.

Dort sah auch Regierungsrat Bruno Damann als Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements den richtigen Ansatzpunkt: «Die grösste Herausforderung ist es, die Bildung so weit zu bringen, dass sie sich schnell an die künftigen Bedürfnisse der Wirtschaft anpassen kann.» Es gebe immer eine Vorlaufzeit, bis die Lehrpersonen sich an verändernde Bedürfnisse anpassen könnten. Das merkt derzeit auch der Medienunternehmer Bruno Hug. Er habe im Zuge des Aufbaus einer Online-Newsplattform gemerkt, dass es «sehr schwer ist, die richtigen IT-Leute» dafür zu finden.

Prof. Dr. Carl Bosshard, Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule Zug, gab im Zusammenhang mit der hohen Geschwindigkeit der Digitalisierung zu bedenken, dass «man die menschliche Evolution nicht beschleunigen» könne. Es gebe eine technische Innovation mit bisher ungekannter Geschwindigkeit, doch der Mensch brauche für das Lernen Zeit. Er plädierte deshalb dafür, zugunsten der Fokussierung auf die Digitalisierung nicht auf die gleichwertige Vermittlung von Grundtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen zu verzichten. Bei einer zukunftsfähigen Aus- und Weiterbildung gehe es deshalb darum «sowohl die Grundtechniken zu vermitteln, als auch digitale Flexibilität zu lehren», so Bosshard.

Einen zusätzlichen Aspekt brachte eine Frage aus dem Publikum ein. Brigitte Bailer, Geschäftsführerin eines Joner Software-Unternehmens gab zu Bedenken, dass «nicht jeder ein Talent für Informatik» habe. Sie plädierte deshalb dafür, entsprechende Talente zu fördern und die digitale Ausbildung nicht nur in die Breite zu tragen. Regierungsrat Stefan Kölliker nahm den Ball aus dem Publikum auf und stellte ein Gespräch darüber in Aussicht: «Ich kann mir gut vorstellen, dass wir im weiteren Prozess IT-affine Leute noch mehr fördern.» Er wolle jedoch die Ziele der IT-Bildungsoffensive nicht überladen.

Dem pflichtete Regierungsrat Bruno Damann bei und gab zu bedenken: «Wir wissen in den unteren Schulstufen noch nicht, wer ein IT-Talent wird – deshalb brauchen wir auch genügend digitale Grundbildung in der Breite.» Dafür solle die IT-Bildungsoffensive den Grundstein legen.

Der nächste Informationsanlass findet am 16. Januar 2019 in Sargans statt. Weitere Informationen zur IT-Bildungsoffensive und den Informationsveranstaltungen finden Sie hier.

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