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Mehr Chaos zulassen, Hierarchien durchlässig gestalten: Erfolgsrezepte im digitalen Zeitalter an der HSR diskutiert

20.04.18 - Mehr als 200 Fachleute aus der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) informierten sich am 18. April beim «Swiss Digital Product Innovation Symposium» an der HSR über die neuesten Trends in der virtuellen Produktentwicklung sowie die digitale Evolution von Geschäftsmodellen und Produkten. Bei rund 30 ausstellenden Unternehmen konnten die Tagungsteilnehmenden Innovationen live testen. 18 Referentinnen und Referenten gaben Einblicke in aktuelle Anwendungsbeispiele digitalisierter Prozesse, Produkte und Geschäftsmodelle.

Das blanke Wort Digitalisierung hat sich als Hype abgenutzt und ist der Umsetzung digitaler Evolution gewichen. Heute nutzen nicht nur die „Grossen“ der MEM-Branche die digitalen Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte oder effizientere Prozesse. In 18 Referaten zeigten grosse und mittlere MEM-Unternehmen aktuelle, umgesetzte Anwendungsbeispiele, gaben Einblicke in ihre Erfolgsgeschichten und teilten ihr Wissen über mögliche Stolpersteine auf dem digitalen Weg. In der begleitenden Ausstellung konnten die rund Teilnehmenden an rund 30 Ständen live aktuelle Innovationen ausprobieren, Kontakte knüpfen und Anwendungsmöglichkeiten für neue Technologien diskutieren.

Mehr Mut zum Chaos
Den Ton für das Symposium setzte Ständerat und Unternehmer Ruedi Noser gleich zu Beginn: „Die Durchlässigkeit für gute Ideen ist entscheidend für die Zukunft, nicht die Diplome der Mitarbeitenden.“ Ein junger Lehrling könne heute bessere Geschäftsideen haben als ein erfahrener, hochstudierter Spezialist, so Noser. Die entscheidende Grösse für Unternehmern sei es heute, die Erfahrung älterer Mitarbeiter mit den Ideen der Jungen zusammenzubringen. „Das geht nicht über Hierarchie, dafür muss man flexiblere Lösungen finden“, sagte Noser und warb für mehr Mut zum Chaos.

„Kein Schweizer Unternehmen hätte so etwas wie die erste Version von Uber auf den Markt gebracht, ein Lehrling von uns hätte das besser programmiert.“ Genau deshalb sei das heute globale Geschäftsmodell kein Schweizer Produkt. Ein Schweizer Unternehmern hätte die App 2 bis 3 Jahre bis zur Perfektion entwickelt, kleine Tests gemacht und erst einmal in einer Stadt wie Zürich Pilotprojekte gefahren. „Erfolgreiche Geschäftsmodelle sind heute aber darauf angewiesen, schnell ausgerollt zu werden“, sagte Noser. Sein provokanter Tipp: „Entlassen Sie den Buchhalter.“ Gute Buchhalter könnten Prozente einsparen, eine gute Innovation hingegen könne den Gewinn um Faktoren erhöhen. Das verringere zwar die Kontrolle darüber, wer wann wo am eigenen Geschäftsmodell Geld mitverdiene, doch „wir sollten zulassen, dass mit unseren Geschäftsmodellen Dinge passieren, die wir nicht kontrollieren können.“

Digitaler Darwinismus
Auch in den weiteren Referaten warben die Referentinnen und Referenten für eine neue unternehmerische Denkweise. So rief etwa Dr. Ralf C. Schlaepfer von der Deloitte AG das exponentielle Zeitalter aus, in dem der digitale Darwinismus bereits viele grosse Firmen zur Strecke gebracht habe, weil „ihr altes Geschäftsmodell innert kürzester Zeit gestorben“ sei. Als positives Gegenbeispiel nannte er das Unternehmen Fujifilm, das sich vom Fotografiekonzern zum führenden Player für digitale Speichermedien wandeln konnte, während andere Unternehmen im Bereich Fotografie praktisch über Nacht untergegangen seien. Schlaepfer vertrat die Meinung, dass das bestehende Geschäft viele grosse Unternehmen daran hindere, etwas Neues zu machen, denn „die Leute an der Spitze wollen nichts verändern, weil der Börsenkurs in den Keller rauscht, wenn teure Investitionen in Veränderungen angekündigt werden, deren Erfolg ungewiss ist.“

In rund 14 Kurzpräsentationen aus der industriellen Praxis präsentierten verschiedene Unternehmen ihre Rezepte, wie sie erfolgreich mit den digitalen Herausforderungen umgehen und zeigten innovative Ansätze. Referent Dr. Tobias Gerfin von der Kuhn Rikon AG fasste abschliessend den aktuellen Stand des digitalen Wandels so zusammen: „Die Digitalisierung bietet viele Chancen. Weil aber jedes Land seine eigenen Normen und Vorschriften hat und sich digitale Geschäftsmodelle nicht nur lokal umsetzen lassen, müssen Unternehmer, Gesellschaft, Gesetzgeber und Mitarbeitende künftig eine höhere Bereitschaft zum Wandel zeigen.“

Die Diskussion über die digitalen Innovationen in der virtuellen Produktentwicklung und im Product Lifecycle Management ist in vollem Gange. Sie wird beim nächsten «Swiss Digital Product Innovation Symposium» an der HSR fortgeführt, das voraussichtlich im April 2019 stattfindet. Weitere Informationen werden, sobald verfügbar, hier publiziert: www.vpe-swiss.ch

Das Symposium wird von den beiden Interessengemeinschaften IG VPE Swiss (Virtuelle Produktentwicklung) und IG PLM-CH (Product Lifecycle Management) organisiert.

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