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Eröffnung der Ausstellung "Furttalstadt"

24.10.08 - Am Freitag, 24. Oktober 2008, wurde das Modell der «Furttalstadt» als Dauerexponat an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil der Öffentlichkeit übergeben. Die Vernissage stand unter dem Thema «Stadt Studien – oder: Kann man Städte planen?».

Die Dauerausstellung an der HSR wurde durch Prof. Dr. Jean-Marc Piveteau, Prorektor der HSR Hochschule für Technik Rapperswil, eröffnet. Prof. Thomas R. Matta, Studiengangleiter Raumplanung an der HSR, ging danach in seiner Begrüssungsrede auf die Geschichte ein, welche hinter dem Modell steht. Dieses entstand vor genau 50 Jahren im Zusammenhang mit einer Studie für den Bau einer neuen Stadt im Zürcher Furttal.

Turbulente Vorgeschichte

Angeregt wurde die Planung der Stadt von Max Frisch, dem Soziologen Lucius Burckhardt und dem Historiker Markus Kutter. Diese forderten in ihrem Pamphlet «achtung: die Schweiz» anstelle der Landesausstellung 1964 den Bau einer neuen Stadt – ganz im Geist der modernen Zeit. Die Schrift löste landesweit heftige Diskussionen und in der Presse über 1000 Kommentare und Berichte aus. Einzig die Architekten reagierten zurückhaltend. Schliesslich wurde die Idee von Prof. Ernst Egli und weiteren Kollegen der ETH Zürich aufgegriffen, es entstand eine umfassende Studie zu einer Schweizer Musterstadt im Furttal, die sogenannte «Furttalstadt», die allerdings nie gebaut wurde. Projekt und Stadtmodell gerieten bald nach Publikation der Studie in Vergessenheit. Geblieben ist letztlich nicht viel mehr als das Modell einer Stadt, die von A bis Z auf dem Reissbrett entwickelt wurde.

Von HSR Studierenden entdeckt und restauriert

Lange sei dieses Modell bei der Gemeinde Otelfingen, auf deren Grund die «Furttalstadt» hätte entstehen sollen, im Estrich einer Turnhalle aufbewahrt worden, blickte Prof. Thomas R. Matta zurück. Schliesslich hätte ihn Bernhard Hunziker, damals Raumplanungs-Student an der HSR, auf den Verbleib des Furttal-Modells aufmerksam gemacht, worauf die Gemeinde Otelfingen das Modell vor vier Jahren als Dauerleihgabe der HSR übergeben habe. Dort wurde es von Studierenden des Studiengangs Raumplanung mit viel Aufwand restauriert und aufbereitet. Erst diese teilweise mühsame Arbeit machte es möglich, dass das Modell nun an der HSR zu sehen ist. Zusammen mit Bernhard Hunziker enthüllte Prof. Thomas R. Matta schliesslich das Modell der «Furttalstadt». 

Kann man Stadtplanung lernen?

In seinem Festvortrag ging Prof. Dr. Michael Koch von der HafenCity Universität Hamburg schliesslich auf die städtebauliche Relevanz der «Furttalstadt» ein und schlug den Bogen zu heutigen Fragen der Stadtplanung. So sei die «die neue Stadt» – auch wenn sie nie gebaut worden sei, und auch wenn sie nicht das war, was sich Max Frisch, Lucius Burckhardt und Markus Kutter als Experiment für die EXPO 1964 gewünscht hätten – doch ein respektabler Versuch gewesen, die städtische Zukunft in den Griff zu bekommen. Und nicht zuletzt werfe sie auch Fragen auf nach dem städteplanerischen Selbstverständnis, beispielsweise ob man Stadtplanung überhaupt lernen könne oder ob diese nun mehr Moderations- oder Gestaltungsaufgabe sei. 

 

Die Schweizer Musterstadt der 1950er-Jahre

Unter dem Titel «Die neue Stadt» erarbeiteten Prof. Ernst Egli und weitere Kollegen der ETH Zürich von 1958 bis 1963 einen visionären Entwurf für eine ideale Schweizer Stadt im Furrtal. Bei der Planung der «Furttalstadt» wurden soziale und ökonomische Prozesse der Zeit konsequent in die städtebauliche Gestaltung einbezogen. Die gesellschaftlichen Bedingungen des Wohnens, Zusammenlebens und Wirtschaftens wurden ermittelt, Durchschnittswerte gebildet, in Flächenbedarfe übersetzt und so für die Planung handhabbar gemacht. Schliesslich entstand eine Modellstadt für knapp 30‘000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die modernen Gebäudetypen, die das Stadtmodell zeigt, sind heute in der ganzen Schweiz zu finden: Kulissenhäuser, Scheibenhäuser, Turmhäuser, Würfelhäuser, Zeilen- und Winkelhäuser. Auch die Idee der Trennung von Wohnen und Arbeiten und die grosszügigen Verkehrsbauten prägten über lange Zeit den Schweizer Städtebau und die Raumplanung. In Gemeinden wie Spreitenbach oder Birsfelden entstanden Siedlungsformen, die einen ähnlichen Geist vertreten wie die «Furttalstadt». In der Raumplanung gehörte die Modellstadt zu jenen wegweisenden Studien, die Bauzonen definierten und Bauland von Nichtbauland unterschieden.

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