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Erstes Swiss PLM-Forum an der HSR

15.11.07 - Der Einladung der Interessengemeinschaft PLM Schweiz folgten am Donnerstag, 15. November, über 100 Besucher. Sie nahmen am ersten «Swiss PLM-Forum» teil, welches an der HSR stattfand. Vier anerkannte Experten aus Forschung und Wirtschaft stellten ihre Erfahrungen und Kenntnisse in PLM (Product Lifecycle Management) einem breiten Publikum von Entscheidungsträgern in KMU, PLM-Anwendern und PLM-Interessierten vor. Daneben präsentierten an einer Informationsmesse rund dreissig Systemlieferanten und Dienstleister ihre Angebote.

Eine der wesentlichen Herausforderungen für Industrieunternehmen ist die Beherrschung der Produkt- und Prozesskomplexität geworden. Product Lifecycle Management (PLM, siehe Kasten) kann hier wertvolle Dienste leisten, indem Abläufe effizienter gestaltet, gesteuert und Kosten gespart werden können. Deshalb kommen PLM-Systeme in immer mehr Unternehmen zum Einsatz – nicht mehr nur in grossen Konzernen, sondern immer häufiger auch in KMU.

 

Wenn ein Unternehmen sich entscheidet, mit einem PLM-System zu arbeiten, werden in der Regel Anpassungen an betriebliche Prozesse nötig. Die Einführung eines PLM-Systems hat Einfluss auf Strukturen und Arbeitsweisen in einem Unternehmen. Fernand Portenier, Leiter Informatik der RUAG, drückte dies so aus: «Die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben, bestimmt mass-geblich unsere Anforderungen an PLM. Andererseits ermöglicht ein gut aufgebautes PLM, unser Geschäft besser und kundennäher zu gestalten.»

 

Konsequentes PLM nimmt die Geschäftsleitung in die Pflicht

Aus der konkreten Erfahrung mit PLM hat die RUAG erkannt, dass die Prozesssteuerung und die konsequente Datenmodellierung wichtige Erfolgsfaktoren sind, wie Fernand Portenier ausführte: «PLM ist deutlich mehr als eine 3D-CAD-Datenverwaltung», sagte er. Die Datenpflege und Daten-qualitätskontrollen müssten im Führungssystem der Firma verankert sein. Dank eines PLM-Systems habe ein Unternehmen die komplette Sicht auf die Lebenswegdaten eines Produkts. Das PLM sei auch eine ideale Grundlage für alle Services rund um ein Produkt. Portenier nannte aber auch Nachteile: Eine nachlässige Datenpflege würde sich katastrophal auswirken. Und wichtig sei, dass die Unter-nehmensführung sich stark für das Durchsetzen von Standards und im Prozessverständnis einsetze.

 

HSG-Professor Thomas Friedli wandte sich in seinem Referat den strategischen Aspekten von PLM-Ansätzen zu und kam zum Schluss, dass das Lebenszyklusmanagement tiefgehende Analysen und abgestimmte Konzepte erfordert. Unterschätzt werde oft sowohl auf Kunden- wie auf Mitarbeiterseite der erforderliche Kommunikations- und Sensibilisierungsaufwand.

 

Nutzen quantifizieren und Mut zur Entscheidung haben

Christof Jansen, ehemaliger CIO bei der Sultex AG, zeigte auf, dass es nicht immer einfach ist, den finanziellen Nutzen einer PLM-Einführung zu quantifizieren. Er zieht den Schluss, dass es für eine PLM-Einführung visionäres Denken brauche und im Management Mut zur Entscheidung. Die Einfüh­rung eines PLM-Systems müsse pragmatisch und schrittweise erfolgen. „Das wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche Einführung eines PLM-Systems ist die Überzeugung von dessen Nutzen“, resümierte Jansen.

 

Informationspool zur ganzheitlichen PLM-Integration

Eine der grossen Herauforderungen für PLM in Industrieunternehmen sei die Beherrschung der stetig zunehmenden Komplexität der Produkte, sagte Professorin Jivka Ovtcharova von der Universität Karlsruhe. Hervorgerufen würde diese unter anderem durch den ansteigenden Anteil an mechatroni­schen Komponenten. Aber auch die Prozesse innerhalb der Industrieunternehmungen würden komple­xer, verursacht zum Beispiel durch die wachsende Globalisierung. Dazu Ovtcharova: „Zu den künfti­gen Schlüsselinnovationen gehört eine ganzheitliche PLM Prozess- und Systemintegration. Sie muss lebenszyklusorientiert sein.“ Damit sei man der Produkt- und Prozesskomplexität gewachsen.

 

Auf die richtige Karte gesetzt: Produktneutralität

Das Swiss PLM-Forum wurde von der Interessengemeinschaft PLM Schweiz, der IG-PLM CH organisiert. Prof. Alex Simeon, Vorsitzender der IG und Leiter des Instituts für Produktdesign, Entwicklung und Konstruktion IPEK der HSR, ist mit der erstmaligen Durchführung des Anlasses sehr zufrieden. „Die über 100 Besuchenden haben gezeigt, dass wir auf die richtige Karte gesetzt haben: die Produktneutralität.“ Am Swiss PLM-Forum konnten alle Produktanbieter gleichberechtigt präsentieren, ein Novum in der PLM-Veranstaltungswelt. Simeon zielt auf eine jährliche Durch-führung des Anlasses, jeweils im Herbst. „Ausserdem werden wir während des kommenden Jahres Workshops zu aktuellen PLM-Themen anbieten“, kündigte er an. Vielversprechende Aussichten für ein vieldiskutiertes Thema, durchgeführt in einer Veranstaltung, die in den nächsten Jahren sicher wiederholt von sich reden machen wird.

 

Product Lifecycle Management

Ein Product Lifecycle Management-System speichert und verwaltet alle Daten, die bei der Entwick-lung, externen Beschaffung, internen Fertigung, Montage, Verkauf, Vertrieb und Service eines Pro-duktes anfallen. Im Idealfall ste­hen diese Daten allen Mitarbeitenden und Systemen zur Verfügung, die im Unternehmen zum Einsatz kommen und mit dem Produkt in einem Zusammenhang stehen. Durch PLM lassen sich Abläufe visualisieren, optimieren, überwachen und daher kosteneffizienter gestalten. Es sind verschiedenste PLM-Systeme im Handel. Aufgrund der Individualität von Unterneh-mensprozessen müssen sie jedoch immer angepasst werden. Teilweise sind auch organisatorische Anpassungen an Betriebsabläufen nötig.

 

Interessengemeinschaft PLM Schweiz (IG-PLM CH)

In der IG-PLM CH arbeiten Vertreter von Forschung und Wirtschaft zusammen. Beteiligt sind das HSR-Institut IPEK, die Inspire AG der ETH Zürich, die Marenco AG, die Cad-OasEs Int. GmbH, die Prion Schweiz AG. Der Anlass wird durch das Konsortium WTT CH-Ost des Bundesamtes für Be­rufsbildung und Technologie (BTT) unterstützt.

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