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E-Fahrzeuge bringen nur etwas, wenn sie mit sauberem Strom fahren: swisscleantech Sommeranlass an der HSR

25.06.19 - «Die Zeit ist reif für Sonnenenergie»: Bundesrätin und UVEK-Vorsteherin Simonetta Sommaruga äusserte sich am swisscleantech Mitglieder-Anlass am 24. Juni 2019 an der HSR erstmals öffentlich zu Chancen und Herausforderungen im Klimaschutz für die Schweiz. Sie sieht eine Partnerschaft zwischen Bund, Wirtschaft und Forschung als Schlüssel für die Energiewende.

Bis 2050 soll die Energieversorgung in der Schweiz vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Schlüsseltechnologien dafür werden an der HSR entwickelt. Drei Vorträge an der Veranstaltung «Energiezukunft jetzt!», die der Branchenverband swisscleantech zusammen mit der HSR durchführte, lieferten Einsichten dazu, wie Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zusammen eine CO2-neutrale Energieversorgung voranbringen können.

Nach der Begrüssung durch HSR Rektorin Margit Mönnecke und swisscleantech-Vorstandsmitglied Daniel Eugster sprach Prof. Dr. Henrik Nordborg, Studiengangleiter Erneuerbare Energien und Umwelttechnik an der HSR über Forschung für den Klimaschutz. «Was müssen wir noch wissen?», fragte er und meinte: «Forschung ist gut aber irgendwann wissen wir genug um zu handeln – und dann muss gehandelt werden». Nordborg zeigte nochmals die Fakten auf, die beweisen, dass der Klimawandel eine Bedrohung darstellt.
So liegt die momentane CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei 415 ppm oder 0.4 Promille. Das klinge nicht nach viel, so Nordborg, der Wert sei allerdings so hoch wie in den letzten drei Millionen Jahren nicht mehr. «Jedes dritte CO2-Molekül in der Atmosphäre stammt von uns Menschen», erklärte er, um die Situation nochmals zu verdeutlichen. Das Schlimme sei, so der HSR Studiengangleiter, dass es sich nicht nur um einen linearen Anstieg der CO2-Konzentration handle, sondern um eine Parabel, also nicht nur um eine jährlich stetig steigende CO2-Konzentration, denn auch «die jährliche Zunahme nimmt weiterhin zu».
Eine fast perfekte Korrelation zeige sich zwischen der globalen Wirtschaftsleistung und der CO2-Emissionen pro Jahr für die letzten 50 Jahre, so Nordborg. Wirtschaftswachstum bedeute also gleichzeitig steigende CO2-Emissionen. Und dieses Wissen ist nicht neu. «Wir wissen eigentlich alles, aber gleichzeitig auch gar nichts», so Nordborg. Es sei wichtig, dass wir uns mit der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Emissionen beschäftigen. Denn «wir haben tatsächlich nicht mehr viel Zeit».

Dr. Christian Zeyer, Geschäftsführer von swisscleantech, machte deutlich, wie Forschung den Weg in marktfähige Produkte findet. Am Beispiel der Entwicklung der LED-Technologie und der Preisentwicklung der Photovoltaik (Solarenergie) zeigte er, wie wichtig das Zusammenspiel von Wirtschaft mit den richtigen Rahmenbedingungen für die Markteinführung neuer Technologien ist. Die Marktdurchdringung sei entscheidend, ob ein solches Potential realisiert werden kann, ob etwas wirtschaftlich werde oder nicht. Wirtschaftlichkeit werde erreicht, wenn der Markt gross ist, «aber der Markt ist erst gegeben, wenn der Preis tief ist», so Zeyer. Dies sei «ein bisschen wie die Huhn- und Ei-Problematik». Hier müsse die Politik eingreifen. Es brauche in einem ersten Schritt Forschungsförderung. «Man muss das Potential schon sehen wollen», so Zeyer. Er wies auf die von swisscleantech definierten «12 Schritte für eine klimafreundliche Zukunft» hin. «Wenn wir diese 12 Schritte miteinander weiterentwickeln», so Zeyer, «dann sollte es möglich sein, nachhaltige Technologien so voranzutreiben, dass wir den Klimawandel stoppen können.»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Vorsteherin des Bundesamtes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) sprach direkt nach ihrer Besichtigung der Power-to-Gas-Anlage in der Aula der HSR und zeigte sich beeindruckt. Die Führung durch die Anlage sei sehr spannend gewesen aber auch nicht ganz trivial. «Solche Projekte brauchen wir in der Schweiz», so Sommaruga am gestrigen Anlass. «Wir brauchen Leute und Ideen, die ihrer Zeit voraus sind.» Ganz nach dem Motto des Anlasses «Pioniere von damals und heute» erinnerte sie an zwei Vorreiter, die sich in der freien Welt auf den Weg gemacht haben: Der eine war Jimmy Carter, der vor 40 Jahren dafür gesorgt hatte, dass auf dem Dach des Weissen Hauses Solarzellen montiert werden. Seine Botschaft: Die kommenden Generationen würden die Panels vielleicht als Startschuss zu einem grossen Abenteuer erkennen. Der andere Pionier, von dem Sommaruga erzählte, war ein junger Ingenieur aus Würenlingen. Er montierte die erste netzgekoppelte Solaranlage der Schweiz, die er am Paul Scherrer Institut entwickelt hatte, auf einem Geräteschuppen.
Die Solarenergie habe seither einen weiten Weg zurückgelegt und einige Rückschläge hinnehmen müssen. Fest steht für sie, so die Bundesrätin: «Die Zeit ist reif für Sonnenenergie». Das Potential sei enorm. «Wenn wir nur auf den gut geeigneten Dächern Solarpanels montieren würden», wies sie darauf hin, «könnten wir doppelt so viel Strom produzieren wie heute alle Atomkraftwerke in der Schweiz zusammen.»

Simonetta Sommaruga sprach sich in der Aula der HSR aus für zusätzliche Investitionen in Sonnen- wie auch in die Windenergie und in die Wasserkraft. «So erhöhen wir die Versorgungssicherheit, tun etwas für das Klima und stärken den Werkplatz Schweiz», so Sommaruga. Milliarden von Franken würden heute in die Ölstaaten geschickt, dabei sollten wir dieses Geld bei uns investieren, das löse Investitionen aus und schaffe Arbeitsplätze in der Schweiz, so die Bundesrätin. Gleichzeitig sende dies das richtige Signal aus an Unternehmerinnen und Unternehmer. Nämlich, dass die Schweiz auf ihr Know-how, anstatt auf ausländisches Öl setzt.

Das neue CO2-Gesetz werde derzeit in der ständerätlichen Kommission beraten. Verraten könne sie nur so viel: Im Ständerat hätten viele erkannt, was die Abkehr von Öl uns allen bringt. Unsere Betriebe können Häuser sanieren oder neue, kluge Heizsysteme einbauen und sie können vorne mit dabei sein, wenn neue Technologien im Umweltbereich nicht nur entwickelt, sondern auch angewendet werden, sagte sie. Manchmal entscheide wenig über den Durchbruch eines Produkts. Ideen seien vorhanden in der Schweiz, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis stimme auch, so Sommaruga, dies «auch dank unserer Hochschulen, auch dank Orten wie die Hochschule Rapperswil»
In Bezug auf die Versorgungssicherheit lägen die Antworten für sie auf der Hand, sagte sie. Mit dem Ja zur Energiestrategie 2050 habe die Bevölkerung dem Bundesrat den Auftrag gegeben, das riesige Potential der erneuerbaren Energien auszuschöpfen. Die Wasserkraft soll Rückgrat unserer Versorgung sein, ergänzt durch Wind und Solar. Sie sei gespannt, welche Impulse von der Stromwirtschaft kämen.

Auch zur Klimapolitik äusserte sich die UVEK-Vorsteherin. Immer mehr Menschen würden auf E-Autos umsteigen und sich für Wasserstoff-Lastwagen interessieren – «Unter dem Strich bringt diese Entwicklung nur dann etwas, wenn die E-Fahrzeuge mit sauberem Strom fahren», so Sommaruga. «Wenn wir Wasserstoff-LKWs wollen, dann müssen wir genügend sauberen Strom produzieren. Ein Ja zu solchen Fahrzeugen ist deshalb auch ein Ja zur Förderung von erneuerbaren Energien.»

Swisscleantech ist ein brachenübergreifender Wirtschaftsverband, der Innovation fördert und sich für politische Regeln einsetzt, die eine nachhaltige Wirtschaft voranbringen.
Weitere Informationen zu swisscleantech finden Sie hier.

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