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Klimagarten 2085 eröffnet

02.04.19 - Am 1. April 2019 eröffnete die HSR die zweimonatige Ausstellung Klimagarten 2085. Das öffentliche Experiment will mit der Simulation von Klimaszenarien für den Klimawandel sensibilisieren. An der Veranstaltung informierte ein Fachvortrag über die aktuelle Klimaproblematik und die Initiantin des Klimagartens 2085 sprach über die Entstehung des Projekts. Der Klimagarten 2085 kann bis Ende Mai an der HSR besichtigt werden.

HSR Prorektor Prof. Alex Simeon begrüsste das Publikum im vollen Saal an der Eröffnungsveranstaltung am Montagabend. Das Experiment sei an der HSR am richtigen Ort, da an der HSR Umwelt-Themen in Forschung und Lehre eine wichtige Rolle spielten. So sei die HSR zum Beispiel die erste Schule in der Schweiz gewesen, die das Diplom für Erneuerbare Energien und Umwelttechnik beim Bund anbrachte. «Als Ingenieur bin ich überzeugt: Wir brauchen Ingenieure, um die Probleme zu lösen, in denen wir stecken», so der Prorektor der angewandten Forschung und Entwicklung an der HSR. «Ich hoffe, dass wir mit diesem Projekt Menschen dazu anregen, umzudenken und zu handeln».

Im Namen der Stadt Rapperswil-Jona begrüsste Stadtrat Thomas Furrer die Gäste: «Ich wünsche mir vom Klimagarten möglichst handfeste Erkenntnisse» sagte er. «Der Klimawandel ist da – noch haben wir Zeit zu reagieren».

15 Meter höherer Meeresspiegel bei 5.5 Grad Temperaturunterschied

Prof. Dr. Andreas Fischlin, Leiter der Fachgruppe Terrestrische Systemökologie an der ETH Zürich, zeigte anhand harter Fakten, wie es momentan um unser Klima steht und was uns erwartet, wenn wir weitermachen, wie bisher. Anhand von Daten für Luzern zeigte er, dass es bereits vor 1500 Jahren Temperaturschwankungen gegeben hat. Allerdings hätten sich die Schwankungen in einem gewissen Bereich bewegt. Heute lägen diese Schwankungen deutlich ausserhalb dieses Bereichs, so Fischlin.
Gehe man noch weiter zurück, z.B. 11'000 Jahre, zum Ende der letzten Eiszeit, stelle man fest, dass die Temperatur und die CO2 Werte korrelieren und dass auch der CO2-Wert in einem gewissen Bereich geschwankt hat. «Wir können Temperatur- und CO2-Veränderungen für die letzten etwa 800'000 Jahre nachvollziehen und wissen, dass es einen Zusammenhang gibt. Die heutige CO2-Konzentration ist allerdings sehr hoch – wiederum deutlich ausserhalb des Schwankungsbereichs, den wir in der Vergangenheit hatten», erklärte er.

Anhand eines Vergleichs zwischen zwei Zeitperioden in der Vergangenheit zeigte er, dass ein Temperaturunterschied von 5.5 - 7.5 Grad einen Unterschied des Meeresspiegels von 15 Metern ausmachte. Fischlin warnte: «Diesen Temperaturunterschied könnten wir am Ende des Jahrhunderts haben, wenn wir den Klimawandel nicht abbremsen».

Die Auswirkungen des Klimawandels sind bekannt: Neben dem erwähnten steigenden Meeresspiegel werden mit der fortschreitenden Klimaerwärmung und steigender CO2-Konzentration extreme Wettererscheinungen immer häufiger. Ein weiteres trauriges Bild bietet die sog. chronische Korallenbleiche, die bereits ab einer Temperaturerhöhung von 1.5 °C beginnt und heute schon 50% des Great Barrier Reef vernichtet hat.

Unser Ziel sollte es sein, die CO2-Emissionen auf Netto null zu bringen, sagte Prof. Fischlin. Wie? Indem wir Fossile Brennstoffe vollständig durch erneuerbare Energien ersetzen. Und es sei höchste Zeit, so Fischlin: «Es ist nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf».

Salat auch noch in 60 Jahren?

Zum Ende brachte Dr. Juanita Schläpfer, Wissenschaftskommunikatorin und Künstlerin, Zurich-Basel Plant Science Center, den Anwesenden näher, aus welcher Idee der Klimagarten entstand.
Jedes gepflanzte Saatgut sei Hoffnung für die Zukunft und verbinde unser gegenwärtiges Handeln mit einem zukünftigen Ergebnis. «Wie könnte ein Garten der Zukunft aussehen?», fragte sich Schläpfer. «Als ich im Frühjahr 2011 Grünkohl, Mangold und Salate anbaute, fragte ich mich, welche dieser Pflanzen in dieser Parzelle wohl noch in 30 oder 60 Jahren wachsen würde», so Schläpfer. Sie hätte gewusst, dass die Klimaszenarien eine Erwärmung von +2  bis zu +6 °C vorhersagten, aber was bedeutete das für sie als Hobby-Gärtnerin in der Schweiz? Könnten sich die Pflanzen an das neue Klima anpassen? Oder müsste sie überdenken, was sie anpflanzt? «Passend zu den neuen Szenarien für die Schweiz CH-2011, entschied ich mich, ein Experiment zu schaffen, das die Szenarien auf anschauliche Art und Weise den Menschen näherbringt», so Dr. Schläpfer.

Der Klimagarten 2085 ist ein öffentliches Experiment im Zusammenspiel von Naturwissenschaft und Kunst. Dieses interaktive Experiment lädt das Publikum ein, Klimaszenarien selbst zu erleben und mehr über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Pflanzen, Landschaften und Städte in der Schweiz zu erfahren. 3-Grad-Szenario: Wir handeln energisch und jetzt. 6,5-Grad-Szenario: Wir tun nichts.

Die Ausstellung Klimagarten 2085 ist von Anfang April bis Ende Mai 2019 an der HSR ausgestellt und öffentlich zugänglich. Kommen Sie einfach vorbei. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Weitere Informationen zum Klimagarten 2085

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