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Lockdown war für Senioren besonders schwierig

30.06.20 - Eine Coronavirus-Studie des Instituts für Landschaft und Freiraum der HSR wollte von Senioren wissen, wie sie sich im Lockdown gefühlt und verhalten haben. Im Vergleich zu einer früheren Umfrage des ILF zeigt sich: Menschen, die älter als 65 Jahre alt sind, haben unter dem Corona-Lockdown besonders gelitten.

Die Umfrage wollte spezifisch herausfinden, wie sich die sogenannten besonders gefährdeten Personen über 65 im Corona-Lockdown verhalten haben und wie sich das auf ihre Stimmung ausgewirkt hat. Die repräsentative Befragung fand auf dem Höhepunkt des Corona-Lockdowns in der Schweiz zwischen dem 17. und 26. April statt. Befragt wurden 280 Personen zwischen 65 und 87 Jahren in der Deutschschweiz.

Leben im Garten oder auf dem Balkon, Stimmung im Keller

Die Befragten lebten zu 63% mit Partner oder anderen Personen in einem Haushalt, 37% lebten alleine. Die sonst geschätzten Spaziergänge in Frei- und Grünräumen erfolgten während des Lockdowns unter staatlichen Vorgaben: überwiegend alleine oder mit Partner. Weiter entfernter Erholungsgebiete, die von Personen über 65 normalerweise besonders geschätzt werden, wurden gemieden. Die Schliessung der Ausflugslokale empfand die ältere Bevölkerung in der Deutschschweiz als eine der stärksten Einschränkungen. Vor Corona fühlten sich ältere Personen sonst eher weniger vom eigenen Wohnumfeld angesprochen. Während des Lockdowns wurde das Wohnumfeld hingegen relevanter denn je.

Während etwa die Arbeit im eigenen Garten oder die Zeit auf dem Balkon stark zunahm, reduzierten sich Aktivitäten wie Wandern, Velofahren oder gesellige Treffen mit Freunden und Kindern sehr stark. Bei rund 70% der älteren Menschen führten die Einschränkungen zu teilweise negativen oder sehr negativen Empfindungen. Am häufigsten wurden Begriffe wie Einsamkeit, Unsicherheit, Langeweile und fehlende Kontakte angegeben.
Etwa ein Viertel der Befragten gaben an, sie fühlten sich inaktiver oder gebrechlicher seit dem Lockdown. Das entsprach in etwa dem Anteil an Personen, die im Alltag auch sonst nicht mehr rausgehen können oder nur noch zum Arzt und Einkaufen das Haus verlassen.

Differenzierte Nutzung von Grün- und Freiräumen

Die Aufenthaltslänge in Frei- und Grünräumen nahm bei 29% der Befragten zu, aber bei 35% auch deutlich ab. Grundsätzlich schien ein hoher Anteil der älteren Bevölkerung diese Krise durch eine gute Freiraumverfügbarkeit kompensieren zu können, denn 92% der hier Befragten verfügen über einen Balkon/eine Terrasse und 74% über einen Garten oder einen gemeinschaftlichen Freiraum am Haus. Diese Räume bildeten die Refugien in der Zeit des Lockdowns, denn ihr Freizeitverhalten veränderten die Befragten zu über 80% dahingehend, 

dass sie «wann immer möglich zuhause» blieben. Von den Sperrungen öffentlicher Freiräume schienen nur 10% der Befragte betroffen, 90% konnten nach eigenen Angaben einen attraktiven, öffentlichen Frei- oder Grünraum in 5-10 min zu Fuss erreichen. Über 30% der Befragten präferierten, wenn sie einen Freiraum aufsuchten, Wald- und Landwirtschaftsland am Siedlungsrand stärker als vor dem Lockdown, während ca. 30% auch diese Räume mieden, oder sie weniger oft besuchten. 52% bis über 70% reduzierten aus Gründen der Hygiene und Sicherheit den Freiraumbesuch in Parkanlagen, Plätzen und Spiel- und Sportplätzen.

Konflikt zwischen Gesundheit und Sicherheit

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass die Erkenntnisse zu den reduzierten und kürzeren Freiraumbesuchen bedenklich sind, «wenn man sich vor Augen führt, dass generell eine Mehrheit der Befragten Frei- und Grünräume für ihre Gesundheitsvorsorge aktiv nutzten», nämlich 78% und dies auch während des Lockdown ein wichtiges Besuchsmotiv bildete, für 31% sogar an Bedeutung zunahm. Hier zeigt sich ein Konflikt zwischen Gesundheitsziel und Sicherheitsziel, der wohl bei Hochbetagten, die in dieser Studie nicht repräsentativ erfasst werden konnten, nochmals bedenklicher sein könnte. Andere Besuchsmotive als die Gesundheitsvorsorge, die gleichwohl der Lebensqualität dienen, erhielten in der Krise jedoch eine noch stärkere Bedeutungszunahme: «positive Gefühle schaffen» oder «den Tag abwechslungsreich gestalten» und die Natur zu geniessen oder zu entspannen stand für jeweils über 31% stärker als vor der Krise im Vordergrund.

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