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Den Bergsturz von Bondo in die Landschaft integrieren

01.04.19 - Manche Bachelor-Arbeiten wirken auch nach dem Abschluss noch nach. So auch die Arbeit des Landschaftsarchitektur-Absolventen Kevin Steinke. Das Amt für Natur und Umwelt des Kantons Graubünden und die Gemeinde Bregaglia interessieren sich für sein Konzept, wie die enormen Schuttmassen des Bergsturzes von Bondo in einer landschaftsverträglichen Deponie versorgt werden könnten.

Der Bergsturz im August 2017 am Piz Cengalo mit dem anschliessenden Murgang ins Tal war ein Jahrhundertereignis. Die Verwüstung der Talschaft um Bondo im Bergell (GR), die Tragödie der vermissten Bergsteiger und die fliessenden Geröllmassen gingen durch die Medien. Das Gröbste ist wohl ausgestanden, doch es warten weitere Hunderttausende Kubikmeter loser Felsmassen oben im Talkessel. Früher oder später wird erwartet, dass sie sich lösen. Das Dorf ist auf den nächsten Murgang vorbereitet, das Auffangbecken ist geleert und die schlimmsten Schäden sind behoben.

Problem gelöst, Natur geschont

Um das Auffangbecken rasch zu leeren, wurden rund 10 000 Kubikmeter Schutt pro Tag in eine nahegelegene Deponie transportiert, die von den Behörden unter Notrecht angelegt wurde. In seiner Bachelorarbeit widmete sich der HSR Student Kevin Steinke der Frage, wie die deponierten und die noch erwarteten Geschiebemassen in der Talschaft fachgerecht versorgt werden können. Aus der Sicht von Landschaftsarchitektur-Professor Thomas Oesch hat Steinke in seinem Konzept mit einer vertieften Geoinformations-Analyse und geschickter CAD-Geländemodellierung ideale Grundlagen geschaffen, wie vorhandene Naturwerte und Nutzungen geschont, bestehende Risiken umgangen und eine land-schaftsgerechte Eingliederung der Deponie ermöglicht werden. «Durch diese Bachelorarbeit entstanden neue Lehri nhalte für die Module der Landschaftsgestaltung und Forschungsansätze für das Institut für Landschaft und Freiraum der HSR», sagt Oesch. Auf diesem Weg können künftige Studierende und auch die angewandte Forschung der HSR langfristig von Steinkes Arbeit profitieren.

Vielschichtige Analyse und Konzeption

Oesch schätzt vor allem, dass das von Steinke empfoh-lene Vorgehen den Verlust der landwirtschaftlichen Nutzfläche gering hält und gleichzeitig traditionelle Kul-turlandschaftselemente wie die Kastanienselven erhält. «Würde das Konzept umgesetzt, wäre es ein Vorbildprojekt, wie eine Grossdeponie in die Kulturlandschaft eingebettet und wie das Vorhaben mit den neuen Lebensräumen allgemein verständlich visualisiert werden kann», lobt Oesch.
Die GIS-basierte Rasteranalyse auf der Basis eines ange-passten Kriterienkatalogs wurde im Rahmen der Deponieplanung des Kantons St. Gallen entwickelt. Vier po-tentielle Standorte wurden auf ihre Eignung hin bewertet. Für den am besten geeigneten Standort «Palü» (siehe Grafik) wurde ein vertieftes Variantenstudium zur Gestaltung und Rekultivierung mit Skizzen und Höhenmodell durchgeführt. Die bestmögliche Erschliessung, Etappierung und Eingliederung mit der Bepflanzung wurde von Kevin Steinke evaluiert. Der Deponiekörper fasst rund eine Million Kubikmeter. Die gewählte Etappierung des Projekts ermöglicht einen vorübergehenden Zwischenabschluss der Deponie für den Fall, dass weitere Murgänge vorübergehend ausbleiben.

Projektverantwortliche:
Kevin Steinke, BA, «Granitum ante Portas»; 
steinke(at)bbzbern.la
Prof. Thomas Oesch, Professor für Landschaftsgestaltung; thomas.oesch(at)hsr.ch

Bachelor-Infotag am 14. März 2020

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