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Die zukünftige Energieversorgung der Schweiz

25.11.19 - Derzeit beruht die Energieversorgung der Schweiz noch zu rund 70 Prozent auf fossilen Energiequellen, die den grössten Teil der Schweizer Treibhausgasemissionen verursachen. HSR Energieforscher Prof. Dr. Markus Friedl zeigt, wie und welche Energie heute verbraucht wird und welche Lösungen dabei helfen können, die Energiewende hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu meistern.

Im Jahr 2017 hat die Schweiz insgesamt 236 Terrawattstunden Endenergie bezogen – für Strom, für Wärme und für Mobilität. Endenergie bezeichnet die Energie, die beim Endverbraucher ankommt.

Um bis 2050 netto keine Treibhausgase mehr auszustossen, müsste diese Energiemenge zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt werden. Wo das nur sehr schwer möglich ist, wie beim Kerosin für den Flugverkehr, müssten die verbleibenden Emissionen durch Massnahmen wie Aufforsten oder Projekte im Ausland kompensiert werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Energieversorgung eine echte Herkules-Aufgabe.
Das Kuchendiagramm zeigt die Verteilung der Endenergie des Jahres 2017 auf verschiedene Energieformen. Es ist zu sehen, dass die Schweiz ihren Energiekonsum zu etwa 70 Prozent auf nicht erneuerbare Quellen abstützt. Deswegen stösst die Schweiz jedes Jahr zirka 50 Millionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre aus. Das sind rund 80 Prozent des Schweizer Beitrags zur Klimaerwärmung.

Die Lösungen stehen bereit
Wie die Wende geschehen kann, haben Forschungsinstitutionen wie die HSR, die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und in Lausanne, das Paul Scherrer Institut und die EMPA mit Modellen und Studien berechnet. Die verschiedenen Untersuchungen setzen unterschiedliche Schwerpunkte und basieren auf unterschiedlichen Annahmen. Sie zeigen aber alle, dass eine nachhaltige Energieversorgung der Schweiz möglich und bezahlbar ist. Sie zeigen auch, dass wir alle Energieformen gemeinsam betrachten (Sektorkopplung) und rasch Massnahmen ergreifen müssen. Boris Meier vom IET Institut für Energietechnik der HSR arbeitet an einer öffentlichen Website, wo jeder sein eigenes Szenario für die Schweizer Energieversorgung berechnen lassen kann. Die Schweiz kann sich die Energiewende nicht nur leisten, sie kann sie auch als Investition in die Zukunft verstehen.

In der Box unten finden Sie die Handlungsfelder für eine erfolgreiche Energiewende. Diese Massnahmen fördern die lokale Wirtschaft und schaffen Arbeitsplätze, weil nicht mehr Milliarden Franken für den Import von fossilen Energien ins Ausland überwiesen werden, sondern das Geld für die Installation und den Betrieb von Anlagen zur Produktion von erneuerbarer Energie oder zur effizienten Energienutzung in der Schweiz verwendet werden kann.

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Friedl, IET Institut für Energietechnik
markus.friedl(at)hsr.ch

Massnahmen für eine erfolgreiche Energiewende

Mobilität
In der Mobilität müssen alle fossilen Treibstoffe ersetzt werden. Das geht nur mit neuen Technologien für Autos, Lieferwagen, Lastwagen und Busse, die mit erneuerbarer Energie in Form von erneuerbarer Elektrizität, Biogas oder den erneuerbaren Gasen Wasserstoff und Methan aus Power- to-Gas-Anlagen betankt werden können.

Energetische Sanierungen
Ein weiterer, sehr wichtiger Hebel sind energetische Sanierungen unserer Gebäude, die für ungefähr die Hälfte unseres Energiebedarfs verantwortlich sind. Für das Heizen können Abwärme, Umgebungswärme, gespeicherte Wärme vom Sommer, Biogas und Kombinationen davon genutzt werden. Dazu braucht es  Fernwärmenetze, Wärmepumpen, Sonnenkollektoren, Wärmespeicher und stromerzeugende Heizungen.

Biomasse
Biomasse muss in Form von Biogas und Holz genutzt werden. Biogas kann wie Methan auch aus Power-to-Gas-Anlagen in der bestehenden Gasinfrastruktur transportiert und schweizweit in 150 bestehenden Tankstellen getankt werden.

Produktion von Elektrizität
Die Produktion von erneuerbarer Elektrizität muss massiv ausgebaut werden, vor allem mit Sonnenenergie auf Dächern und an Fassaden, aber auch mit Windrädern.

Energiespeicher
Wegen der volatilen Energieproduktion vieler erneuerbarer Energiequellen ist ein Ausbau der Energiespeicher wie Batterien, Wärmespeicher und Power-to-Gas erforderlich. Unser Überschussstrom soll in Power-to-Gas-Anlagen in besser speicherbaren Wasserstoff und Methan umgewandelt werden.

Verhaltensänderungen
Damit die Energiewende Realität werden kann, muss auch die Bevölkerung mitziehen und Energie besser nutzen. Das bedeutet: mehr zu Fuss, mehr Velo, mehr öffentlicher Verkehr, mehr Fahrgemeinschaften, kleinere Autos, weniger fliegen, sparsamer heizen und weniger Fleischkonsum.

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