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«Offene Daten sind die logische Folge der Digitalisierung»: Prof. Stefan Keller im Interview

15.01.18 - Geodaten des Kantons Zürich sind jetzt kostenlos zugänglich. Was bedeutet das für die Forschung? Stefan Keller, Professor am Institut für Software, gibt Antworten.

Geodaten, das sind Informationen zur Geographie, zu Flora und Fauna, Verkehr oder Infrastruktur. Mit dem GIS-Browser (maps.zh.ch) war es bereits möglich, verschiedene Geodaten des Kantons Zürich in einer Karte zu visualisieren. Neu können seit Anfang Januar 2018 200 Zürcher Geobasisdatensätze in verschiedenen Formaten heruntergeladen werden – kostenlos und ohne Registrierung. Was das für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet, erklärten die Kantonsbehörden an einer Medienkonferenz Mitte Dezember 2017. Auch Stefan Keller, Professor für Data Engineering und Informatik an der HSR, war da und vermittelte einen Eindruck davon, wie die Forschung mit den offenen Geodaten umgeht. Uns gab er kürzlich ein exklusives Interview zum Thema.

Prof. Keller, Sie sind Institutspartner am IFS Institut für Software hier an der HSR. Wozu verwenden Sie solche Geodaten?

«Durch die Geo- bzw. Behördendaten bin ich in meiner Arbeit eng verbunden mit der Landschaftsarchitektur und der Raumplanung, beides Studiengänge hier an der HSR. Ein Projekt im Bereich der Landschaftsplanung ist zum Beispiel eine Web-Karte, die ich zusammen mit meinen Mitarbeitern erstellt habe. Eine Visualisierung, die Infrastrukturelemente darstellt, die die Landschaft charakterisieren. Das sind Wege, Bänke, Bäume, Masten usw. Diese sogenannte OpenEcoMap stellt Landschaftselemente dar, aus denen man ableiten kann, ob das zum Beispiel eine Landschaft mit hohem Erholungswert ist.»

Sie hatten also schon früher Zugang zu solchen Daten oder inwiefern bringt Ihnen der freie Zugang Vorteile?

«Einzelne Daten waren bereits öffentlich aber konnten nicht heruntergeladen werden. Die wirklich interessanten Daten aber waren es nicht. Daten zu Grundstücksgrenzen, zum Beispiel, waren kostenpflichtig und sind es in anderen Kantonen teilweise noch immer. Das Problem mit den Behördendaten ist die Heterogenität: Jeder Kanton hat seine eigene Art, wie er die Daten herausgibt, wo man sie findet und ob er sie überhaupt herausgibt. Je mehr Behörden die Daten freigeben, desto mehr können wir, wie im Supermarkt, durch die Regale gehen und uns inspirieren lassen, was es sonst noch für interessante Daten gibt.»

Also: Je mehr frei zugängliche Daten, desto besser?

«Offene Daten sind im Prinzip die logische Folge der Digitalisierung. Wenn man schon digitale Daten hat, sollte man sie auch der Gesellschaft, den Hochschulen und der Wirtschaft zur Verfügung stellen. So kann die Wirtschaft bessere Entscheide treffen. Beispielsweise bei Fragen zum Standort eines Unternehmens oder bei Energieversorgungsfragen. Wenn es zum Beispiel darum geht, wo eine Erdsonde oder ein Windrad hin darf. Das Energiegesetz erlaubt neu das Aufstellen von Windrädern. Jetzt ist die Frage: Wie ist das Gelände strukturiert, wie sind die Windverhältnisse? Die Behörden haben diese Daten, die aber nicht zugänglich sind und deshalb kaum nutzbar. Offene Daten bieten die Chance, Entscheide besser abzustützen – ohne Ausverkauf der eigenen Personendaten, was zurzeit mit Google, Facebook und Co. passiert.»

Werden die anderen Kantone bald nachziehen?

«Hier ist ein Umdenken nötig. Der Kanton Zürich hat mit dem Motto Open Data by Default eine Vorreiter-Rolle inne. Ich hoffe, dass die anderen Kantone bald nachziehen werden.»

 

Da viele Geodaten noch immer kostenpflichtig sind, ist Stefan Keller in einem drei köpfigen Gremium, das diese kostspieligen Geodaten von Bund (v.a. Swisstopo), Kantonen und Gemeinden koordiniert aufbereitet und für Studierende auf geodata4edu.ch zur Verfügung stellt. So können z.B. HSR Studierende die Daten kostenfrei für Forschungszwecke nutzen.

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