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Buchpräsentation und Ausstellung: Leberecht Migge - Die originalen Gartenpläne 1910-1920

15.05.19 - Der Fund von mehr als 320 für verschollen gehaltenen Plänen des deutschen Landschaftsarchitekten Leberecht Migge (1881-1935) im Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur (ASLA) an der HSR sorgte 2016 für eine Sensation. Der Planfund bildete die Grundlage für das nun erschienene Buch «Leberecht Migge – Die originalen Gartenpläne 1910-1920», das gestern mit einer Vernissage präsentiert wurde. Eine begleitende Ausstellung an der HSR zeigt noch bis zum 27. Mai 2019 Auszüge aus dem Buch sowie das Modell eines Villengartens von Migge.

«Der Besitz eines Gartens darf von nichts anderem abhängig sein, als vom Wunsch nach ihm.» Mit diesem Zitat brachte Sophie von Schwerin bei der gestrigen Buch-Vernissage an der HSR eine zentrale Haltung von Leberecht Migge (1881-1935) auf den Punkt. Der noch heute in der Landschaftsarchitektur bedeutende Garten-Reformer veränderte mit seinen Ideen die Gartenkultur im frühen 20. Jahrhundert. Er setzte sich dafür ein, dass nicht nur die wohlhabende Bevölkerung, sondern auch ärmere Menschen die Möglichkeit zum eigenen Gartenbau haben sollten. Seine Vorschläge für grosse innerstädtische Parks und die Ideen von Grünraumnetzen prägen bis heute die Freiraumplanung.

Ausstellung bis 27. Mai an der HSR

Einem Zufallsfund ist es zu verdanken, dass die Pläne nach knapp drei Jahren Restauration nun im ASLA Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur an der HSR lagern und wichtige Grundlagen für die Forschung und die Ausbildung von Landschaftsarchitektinnen und -architekten liefern. Finanziert wurde die Restauration der Pläne durch eine Kooperation zwischen der gemeinnützigen Schweizerischen Stiftung für Landschaftsarchitektur SLA und der HSR. Eine Ausstellung dieser Pläne wird noch bis 27. Mai im Foyer des Gebäude 1 an der HSR zu sehen sein. Besucherinnen und Besucher erhalten in der thematisch gegliederten Ausstellung einen Einblick in die Steckenpferde Migges wie Selbstversorger-Gärten, aufwändige Parkanlagen für Villen, Friedhöfe mit Aufenthaltsqualität und ganze begrünte Siedlungen. Zu sehen sind grosse, gerahmte Ausdrucke der originalen Migge-Pläne, Blaupausen und Zeichnungen – ein Auszug aus dem Gesamtwerk «Migge – die originalen Gartenpläne 1910-1920» (ISBN 978-3-0356-1359-9).

Für HSR Rektorin Margit Mönnecke, die die rund 40 Anwesenden begrüsste, schliesst sich mit der Buchpräsentation und der Ausstellung auch ein persönlicher Kreis – während ihres Landschaftsarchitektur-Studiums arbeitete sie selbst mit Plänen Migges, allerdings nicht in der dank der aufwändigen Restauration der Originalpläne heute verfügbaren Qualität.

Detaillierter Einblick in Gartenpläne möglich

Die restaurierten Pläne erlauben einen unmittelbaren Einblick in Migges Arbeit. Sein Wirken war zuvor nur aus kleinen Abbildungen in Zeitschriften und Büchern, die noch zu seinen Lebzeiten erschienen, bekannt: Oft klein abgedruckt und in so schlechter Auflösung, dass sich beispielsweise verwendete Pflanzen oder Notizen auf Plänen nicht entziffern liessen.
Mit den restaurierten Plänen gehört diese Wissenslücke der Vergangenheit an. «Damit lassen sich Aussagen über seine Planungen machen, die bisher unmöglich waren», erklärt Simon Orga, einer der drei HSR Autoren des Buches. So war Migge bisher vor allem für grosse öffentliche Gartenanlagen bekannt, weil er diese selbst veröffentlicht hatte. Im Nachlass fanden sich jedoch auch unzählige Pläne für private Gärten, die perfekt in den aktuellen Zeitgeist passen: Selbstversorgung mit selbst gepflanztem Gemüse kombinierte Migge auf einmalige Weise mit dem ästhetischen Anspruch an einen Garten. Seine kreativen Ansätze reichten von Beerensträuchern als Zierpflanzen bis hin zu Gemüseecken, eingebettet in prachtvolle Gartenlagen.

46 Pläne mit Modell zum Leben erweckt

Im Zuge der wissenschaftlichen Aufbereitung der Pläne hat das Team des ASLA unter anderem ein Modell fertigen lassen, das die Pläne Migges für den 1944 im zweiten Weltkrieg zerstörten Landsitz Ury in Berlin wieder zum Leben erweckten. Das aus Elementen von 46 Plänen des Gartens erstellte Modell der Villa am See mit einer prächtigen, weitläufigen Gartenanlage, haucht dem Wirken Migges neues Leben ein und macht Landschaftsarchitekturgeschichte erlebbar. Es ist als Teil der Ausstellung ebenfalls bis 27. Mai an der HSR zu sehen. Ebenso wie eine virtuelle, dreidimensionale Begehung eines Migge-Gartens. «Die Simulation ist die Arbeit eines begeisterten Studenten, der uns mit dieser Simulation einen Garten mit den Augen Migges erleben lässt», sagte Prof. Hansjörg Gadient, der das Buch zusammen mit Sophie von Schwerin und Simon Orga verfasst hat.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.

Mehr über die Ausstellung an der HSR lesen Sie hier.

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