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Zukunft der Landschafts- und Raumplanung an der HSR diskutiert

24.10.19 - Die HSR führt zwischen 2018 – 2023 den Forschungs- und Entwicklungsplan (FEPl) «Zukunftslandschaft Schweiz» durch. Dieser will Forschung, Ausbildung und Gemeinden rechtzeitig Instrumente an die Hand geben, um künftige Herausforderungen wie Digitalisierung oder den Klimawandel zu meistern. An einer Fachtagung an der HSR präsentierten die Projektteams spannende Zwischenergebnisse zu Themen wie Raumentwicklung & Verkehr, Städtebau & Freiraum sowie Landschaft der Zukunft.

Rund 100 Expertinnen und Experten aus Architektur, Landschafts- und Raumplanung widmeten sich am vergangenen Freitag der Zukunft der Schweiz. Moderiert von der Kulturjournalistin Karin Salm warteten fünf Fachreferate zu Forschungsprojekten sowie zwei interaktive Themenmärkte auf die Teilnehmenden.

Planerische Lösungen in Bezug auf den Klimawandel und seine Auswirkungen auf das Mikroklima in Städten oder die Verfügbarkeit von Wasser standen im Fokus der HSR Tagung «Zukunftslandschaft Schweiz». Ebenso wurde die Digitalisierung und autonomes Fahren diskutiert und auf welche Art sich diese technikgetriebenen Trends künftig auf die Städte, Verkehrs- und Raumplanung auswirken.

Frühzeitige Forschung wichtig

Mit den FEPl-Projekten will sich die HSR durch rechtzeitige Forschung auf die künftigen Veränderungen in der Stadt-, Verkehrs-, Landschafts- und Raumplanung vorbereiten. «Mit dem Ansatz der Reallabors wollen wir zusammen mit Partnern aus Praxis, Politik und Zivilgesellschaft gemeinsam in einem experimentellen Umfeld lernen, welche Lösungen uns in Zukunft helfen können», sagte Prof. Dr. Dominik Siegrist, FEPl-Programmleiter und Leiter des ILF Institut für Landschaft und Freiraum der HSR. Das in den Forschungsprojekten generierte Wissen soll sowohl Behörden wie auch privaten Planungsbüros zugänglich gemacht werden. «Wenn es Leute gibt, die wissen, wie es geht, werden sich neue Ansätze auch in der Praxis durchsetzen – deshalb werden wir die Forschungsergebnisse auch in der Ausbildung unserer Landschaftsarchitektinnen und Raumplaner anwenden», so Siegrist.

Dass bereits heute die möglichen Lösungen für die Herausforderungen vorhanden sind, die in den nächsten 10 bis 30 Jahren relevant werden, hat mit den langen Planungshorizonten in Städten, Kantonen und Gemeinden zu tun. «Die Weichen wie wir in den kommenden Jahrzehnten wohnen, siedeln und uns fortbewegen stellen wir heute – aber wie, das wissen wir heute noch nicht», sagte Prof. Dr. Dirk Engelke, Partner im IRAP Institut für Raumentwicklung der HSR. Hier setzt der Forschungs- und Entwicklungsplan der HSR an, der derzeit die folgenden fünf aktiven Projekte umfasst.

Raumwirksamkeit der Digitalisierung

Die Digitalisierung treibt in steigendem Tempo neue Konsum-, Business- und Techniktrends. Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Raum und die Raumplanung sind aktuell jedoch kaum erforscht. Handlungsempfehlungen für die Gemeinden, wie die Digitalisierung zur besseren Entwicklung und Abstimmung von Siedlungen, Verkehr und Landschaft genutzt werden kann, fehlen gänzlich. Das Projektteam hat im Rahmen einer Delphi-Studie die Raumwirksamkeit der Digitalisierung mit einer interdisziplinären Expertengruppe diskutiert und Folgerungen abgeleitet. Diese werden nun an Beispielräumen angewendet und daraus ein Werkzeugkasten mit Handlungsempfehlungen zuhanden der Gemeinden als Hilfestellung für die künftige Planung erarbeitet.

Chancen selbstfahrender Busse im ÖV-Angebot

In zahlreichen Städten werden bereits selbstfahrende Kleinbusse im öffentlichen Verkehr getestet. Das Projekt versucht herauszufinden, wie sich diese autonomen Verkehrsmittel auf das zukünftige ÖV-Angebot auswirken. Die vertiefte Analyse hat gezeigt, dass autonome Kleinbusse in Agglomerationen mit hoher Nachfrage nur bedingt geeignet sind. Selbstfahrende Busse bieten jedoch ein hohes Potenzial, um Erschliessungslücken zu beheben. Die Grösse des Fahrzeugs hat dabei einen grossen Einfluss auf die möglichen Einsatzgebiete.

Potenzial multifunktionaler Freiräume für ökologische und lebenswerte Siedlungen

Freiräume in Städten geraten durch verdichtete Bauweise unter Druck. Gleichzeitig werden von ihnen zunehmend ökologische Leistungen wie Anpassung an den Klimawandel und Förderung der Biodiversität erwartet. Anhand verschiedener Referenzgebiete, wird auf der Basis einer Literaturrecherche und Untersuchungen vor Ort das Handbuch «Dichte Frei-Räume» entwickelt, welches Gemeinden künftig bei der Planung von multifunktionalen Freiräumen unterstützen soll.

Regenwasser nutzen

Derzeit werden Regenwasser-Niederschläge immer noch rasch über Rohrsysteme in den Untergrund abgeführt. Dadurch werden positive Nutzungsmöglichkeiten des Wassers verunmöglicht. Im Rahmen der laufenden Studie wird untersucht, welche Chancen (z.B. lokale Kühlung durch Verdunstung, Speicherung für Trockenzeiten) und Risiken (z.B. Mückenplage) entstehen können, wenn das Wasser länger an der Oberfläche gehalten und der entsprechende Freiraum gezielt gestaltet wird. Das Projektteam zielt auf mehr Lebensqualität in den Agglomerationen und auf eine Minderung von Klimaextremen.

Zukunftsansprüche an die Naherholung

Aufgrund von Bevölkerungswachstum und neuen Freizeittrends stehen Naherholungsgebiete unter einem hohen Nutzungsdruck. Im Rahmen von mehreren Workshops mit drei Pilotgebieten konstruierte das Projektteam insgesamt vier mögliche Zukunftsbilder. Gemeinsam wurden auf Basis dieser Szenarien zukünftige Herausforderungen und mögliche Lösungen für die langfristige Steuerung der Nutzung in Naherholungsgebieten erarbeitet.

MSE Infoabend am 17. März 2020

06.11.19 - Kommen Sie vorbei und informieren Sie sich über über das Masterstudium an der HSR.